KI & Tools

KI im Marketing-Alltag: Wie wir ChatGPT, Claude und Co. nutzen

ChatGPT und Claude sparen uns jede Woche Stunden. Wir zeigen, wofür wir KI im Marketing einsetzen, wo wir die Grenze ziehen und was seit August 2026 gilt.

Diana ReckGründerin von mymediamindsMit KI erstelltes FotoVeröffentlicht: Aktualisiert: 8 Min. Lesezeit

Früher sah unser Montagmorgen so aus: Zahlen aus Werbekonten ziehen, Berichte bauen, Notizen aus Kundengesprächen sortieren, erste Textideen für die Woche sammeln. Bis zum Mittag war vor allem eins passiert: Vorbereitung. Heute erledigen wir einen großen Teil davon mit KI. Und haben den Vormittag wieder für das, was wirklich zählt: unsere Kunden.

In fast jedem Erstgespräch kommt deshalb die Frage: „Welches KI-Tool ist denn das beste?“ Aus unserer Sicht ist das die falsche Frage. Entscheidend ist nicht das Werkzeug, sondern wie man damit arbeitet. In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie wir KI im Marketing-Alltag bei mymediaminds einsetzen, wo wir bewusst Menschen entscheiden lassen und was seit August 2026 rechtlich gilt.

Wie verbreitet KI im Marketing inzwischen ist

Wer glaubt, KI sei noch ein Thema für Konzerne, irrt. Im September 2026 hat der Digitalverband Bitkom 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten befragt. Ergebnis: 57 Prozent setzen KI ein. Ein Jahr zuvor waren es 36 Prozent, zwei Jahre zuvor 20 Prozent. Und Marketing und Kommunikation gehören laut der Studie zu den wichtigsten Einsatzfeldern: 54 Prozent der KI-Anwender nutzen sie dort.

Für uns heißt das: Deine Wettbewerber arbeiten sehr wahrscheinlich schon mit KI. Die Frage ist nicht mehr, ob du sie nutzt, sondern wie gut.

Wofür wir KI jeden Tag einsetzen

Wir von mymediaminds machen das so: KI nicht für alles, aber für vieles. Die Tabelle zeigt, wo sie uns hilft und wo wir den Stift selbst in der Hand behalten.

AufgabeWas die KI übernimmtWas bei uns bleibt
RechercheMarkt, Wettbewerb und Fachthemen in Minuten zusammenfassenQuellen prüfen, Relevanz bewerten
WerbekontenZahlen auswerten, Auffälligkeiten finden, Berichte vorbereitenEntscheidungen über Budget und Strategie
TexteErste Entwürfe, Varianten, Überschriften, KürzungenMarkenstimme, Feinschliff, Freigabe
CreativesIdeen für Hooks, Blickwinkel und SkripteAuswahl, Produktion, Bauchgefühl
GesprächeNotizen zusammenfassen, Aufgaben ableitenZwischentöne, Beziehung, Vertrauen
WebsiteFAQ-Entwürfe, Strukturvorschläge, Schema-IdeenFachliche Richtigkeit, Haltung

Besonders spannend ist die Auswertung von Werbekonten. Seit Meta seine Werbekonten für KI-Assistenten geöffnet hat, stellen wir unseren Konten Fragen in ganz normaler Sprache. Wie das funktioniert, beschreiben wir ausführlich in unserem Beitrag zur KI im Meta-Werbeanzeigenmanager.

ChatGPT oder Claude? Warum das Werkzeug zweitrangig ist

Wir arbeiten mit beiden, je nach Aufgabe. Beide sind sehr gut, und die Unterschiede verschieben sich mit jedem Update. Wer heute ein Ranking der besten KI veröffentlicht, liegt in drei Monaten daneben.

Was sich dagegen nicht ändert: Eine KI ist nur so gut wie der Kontext, den du ihr gibst. Sie weiß nicht, wer deine Kunden sind, wie du sprichst und welche Aussagen du nie machen würdest. Wenn du es ihr nicht sagst, rät sie. Und ratende KI klingt nach allen anderen.

Wir von mymediaminds legen deshalb für jeden Kunden feste Arbeitsbereiche mit Grundinformationen an, die die KI bei jeder Anfrage kennt:

  • Zielgruppe: Wer kauft, warum und mit welchen Sorgen?
  • Angebot: Was genau wird verkauft, zu welchen Bedingungen?
  • Tonalität: Du oder Sie, locker oder seriös, mit Beispielen echter Texte
  • Grenzen: Aussagen, Versprechen und Wörter, die tabu sind
  • Belege: Fakten, Zahlen und Kundenstimmen, die wirklich stimmen

Wo wir die Grenze ziehen

Die KI schreibt den ersten Entwurf. Den letzten schreibt immer ein Mensch.

Unsere wichtigste Regel im Team

KI ist schnell, fleißig und erstaunlich gut im Formulieren. Sie ist aber auch selbstbewusst, wenn sie sich irrt. Deshalb gelten bei uns ein paar feste Regeln:

  • Keine Kundendaten in private Konten. Namen, E-Mail-Adressen oder Umsätze einzelner Kunden geben wir nur in Business-Tarife ein, bei denen ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung besteht und Eingaben nicht zum Training genutzt werden.
  • Jede Zahl wird geprüft. KI kann Studien, Zitate und Prozentwerte erfinden, die täuschend echt klingen. Was wir veröffentlichen, belegen wir mit einer Quelle.
  • Keine Bilder echter Menschen ohne Zustimmung. Generierte Bilder, die reale Personen zeigen oder so wirken, sind für uns tabu.
  • Entscheidungen treffen Menschen. Budgets, Strategien und Freigaben bleiben bei uns und bei unseren Kunden.

Wenn du für dein Team ähnliche Regeln aufstellen willst und dabei Hilfe brauchst, meld dich bei uns. Wir teilen gern, was sich bei uns bewährt hat.

Was seit August 2026 rechtlich gilt

Mit der europäischen KI-Verordnung, dem EU AI Act, gibt es inzwischen klare Spielregeln. Für Marketing sind vor allem zwei Punkte wichtig.

Erstens: Transparenzpflichten. Seit dem 2. August 2026 gilt Artikel 50 der Verordnung. Er verlangt unter anderem, dass Deepfakes als künstlich erzeugt erkennbar sind und dass Menschen wissen, wenn sie mit einem Chatbot sprechen. Auch KI-erzeugte Texte, die die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren sollen, müssen gekennzeichnet werden, es sei denn, ein Mensch hat sie geprüft und trägt die redaktionelle Verantwortung. Der im Juni 2026 beschlossene Digital-Omnibus hat daran nichts verschoben. Mehr Zeit gibt es nur für die maschinenlesbare Kennzeichnung bereits bestehender KI-Systeme, und zwar bis zum 2. Dezember 2026.

Zweitens: KI-Kompetenz. Schon seit Februar 2025 müssen Unternehmen, die KI einsetzen, dafür sorgen, dass ihre Mitarbeitenden ausreichend damit umgehen können. Eine Schulung pro Jahr und klare interne Regeln sind dafür ein guter Anfang.

So startest du in deinem Unternehmen

  1. Eine Aufgabe auswählen. Nicht alles auf einmal. Starte mit etwas, das jede Woche wiederkommt, zum Beispiel einem Bericht oder Social-Media-Texten.
  2. Den richtigen Tarif wählen. Für geschäftliche Daten einen Business-Tarif mit Vertrag zur Auftragsverarbeitung.
  3. Kontext aufschreiben. Zielgruppe, Angebot, Tonalität und Grenzen auf einer Seite. Diese Seite ist Gold wert.
  4. Regeln festlegen. Was darf rein, was nicht? Wer prüft, bevor etwas rausgeht?
  5. Das Team schulen. Kurz, praktisch und mit echten Aufgaben aus eurem Alltag.
  6. Nach vier Wochen auswerten. Was hat Zeit gespart, was nicht? Dann die nächste Aufgabe angehen.

Fazit: KI ist ein Werkzeug, keine Haltung

KI hat unseren Arbeitsalltag verändert, und zwar zum Guten. Wir sind schneller bei allem, was vorbereitet, gesammelt und ausgewertet werden muss. Dadurch haben wir mehr Zeit für das, was keine Maschine kann: zuhören, abwägen, Verantwortung übernehmen.

Aus unserer Sicht gilt: Fang klein an, gib der KI guten Kontext und behalte das letzte Wort. Dann ist sie das, was sie sein soll: die fleißigste Kollegin im Team, nicht die Chefin. Und wenn du Fragen hast oder nicht weißt, wo du anfangen sollst: Meld dich bei uns. Genau dafür sind wir da.

Häufige Fragen

Welches KI-Tool ist das beste für Marketing?

Das hängt von der Aufgabe ab, und die Unterschiede ändern sich mit jedem Update. ChatGPT und Claude sind beide sehr stark. Wichtiger als die Wahl des Tools ist, dass du der KI genug Kontext zu Zielgruppe, Angebot und Tonalität gibst.

Darf ich Kundendaten in ChatGPT oder Claude eingeben?

Nur unter Bedingungen. Personenbezogene Daten gehören nicht in private Konten. Für geschäftliche Daten brauchst du einen Business-Tarif mit Vertrag zur Auftragsverarbeitung, bei dem deine Eingaben nicht zum Training genutzt werden. Im Zweifel anonymisierst du die Daten vorher.

Muss ich KI-generierte Werbetexte kennzeichnen?

Der EU AI Act verlangt seit August 2026 vor allem die Kennzeichnung von Deepfakes und von KI-Texten, die über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren, sofern kein Mensch sie redaktionell verantwortet. Für klassische, von Menschen geprüfte Werbetexte greift diese Pflicht in der Regel nicht. Bei KI-Bildern oder Videos von Menschen solltest du genau hinschauen und dich im Zweifel beraten lassen.

Was bedeutet KI-Kompetenz nach dem EU AI Act?

Unternehmen, die KI einsetzen, müssen seit Februar 2025 dafür sorgen, dass ihre Mitarbeitenden die eingesetzten Systeme ausreichend verstehen. Dazu gehören Wissen über Chancen und Risiken sowie klare Regeln für den Umgang im Alltag.

Wie viel Zeit spart KI im Marketing wirklich?

Das hängt stark von den Aufgaben ab. Bei uns ist der Gewinn bei Recherche, Auswertungen und ersten Entwürfen am größten. Bei Strategie und Feinschliff spart KI wenig Zeit, macht die Ergebnisse aber oft besser, weil sie gute Gegenfragen stellt.

Diana Reck

Gründerin von mymediaminds. Seit vielen Jahren in Meta-Werbekonten zu Hause, mit Blick auf das, was am Ende zählt: Kunden.

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